Roll over Kredit

Beim Roll-over-Kredit handelt es sich um eine spezielle Kreditform. Der wesentliche Unterschied zu den anderen Kreditarten liegt in der Festlegung des Zinssatzes, der über die gesamte Laufzeit variabel bleibt und nach den geltenden Zinssätzen am Markt angepasst wird. Die Anpassung erfolgt dabei nach vertraglich vereinbarten Fristen. Allgemein üblich sind hier Fristen von einem bis zwölf Monaten. Innerhalb der festgelegten Fristen bleiben aber die Zinsen stabil. Als Referenzzinssatz gelten die des LIBOR (London Interbank Offered Rate) oder EURIBOR (Euro Interbank Offered Rate). Bei diesen beiden Geldmarktzinssätzen handelt es sich um Referenzzinssätze, die einmal im internationalen und zum anderen im europäischen Raum, zwischen Banken untereinander intern vergeben werden.

Durch die stetigen Anpassungen des Zinssatzes verändern sich auch Modalitäten bei den Raten. Denn diese verändern sich gleichfalls nach jeder Korrektur des Zinssatzes. Zusätzlich zu den Zinsen, die mittels des Referenzzinssatzes festgelegt wurden, kommen noch weitere Kostenfaktoren hinzu. Dabei handelt es sich um Zinsaufschläge (Spread, Marge), die sich aus der Bonität des jeweiligen Kreditnehmers ergeben. Bei einer guten Bonität ist der angesetzte Risikoaufschlag wesentlich geringer als bei einer schlechten.

Ein Roll-over-Kredit birgt sowohl Chancen als auch Risiken für den Kreditnehmer, da die Zinskosten von vornherein nicht zu kalkulieren sind. Bei sinkenden Zinsen profitiert der Kreditnehmer insofern, dass auch seine Kreditkosten sinken. Umgekehrt kann aber ein steigender variabler Zinssatz den Kredit erheblich verteuern. Nach Ablauf der Zinsbindungsfrist erhält der Kreditnehmer die Möglichkeit entweder die Zinsvereinbarung zu verlängern (sogenanntes „roll over“) oder den Roll-over-Kredit ganz oder teilweise zu tilgen.

Die Kreditnehmer eines Roll-over-Kredites sind in aller Regel mittlere und größere Unternehmen sowie die öffentliche Hand (öffentliche Körperschaften, Bundesländer, Städte und Gemeinden ect.) und einzelne Nationalstaaten. Des weiteren finanzieren auch immer mehr Banken auf diese Weise Großprojekte im Energie- und Rohstoffsektor.

Der Roll-over-Kredit kann vertraglich verschiedene Erscheinungsformen aufweisen. So kann beispielsweise eine bestimmte Kreditsumme vereinbart werden, die an einem vorab festgelegten Datum vollständig ausbezahlt wird. Eine weitere Variante des Roll-over-Kredites ermöglicht es dem Kreditnehmer, das Darlehen je nach Bedarf in Anspruch zu nehmen. Allerdings wird hier die Kredithöhe von Seiten des Kreditgebers gedeckelt. Die dritte Variante wird als Stand-by-Roll-over-Kredit bezeichnet. Diese Darlehensform eignet sich vor allem bei einem etwaigen Kapitalmarktengpass sowie bei einem unvorhergesehenen Finanzierungsbedarf.

Die Besonderheit eines Roll-over-Kredites ist das Vertragsverhältnis zwischen Kreditgeber und Kreditnehmer. Denn diese endet nicht zwangsläufig nach der völligen Tilgung des Kredites. Eher ist diese Art der Geldbeschaffung als ein flexibler Kreditrahmen anzusehen, der temporäre finanzielle Engpässe auf schnelle und einfache Art und Weise ausgleichen soll. Als eine weitere Besonderheit des Roll-over-Kredites zählt, dass dieser vorwiegend im Euro-Raum vergeben wird. Mittlerweile hat diese Kreditform in den Großhandels- sowie Außenhandelsbeziehungen, innerhalb der EU, an Bedeutung zugenommen. Ein anderes Beispiel ist innerhalb der Vereinigten Staaten bekannt, die auf einer Prime-Rate-Basis funktionieren und USD-Kredite an die dortigen Kreditnehmer vergeben.

VN:F [1.9.22_1171]
Rating: 0.0/5 (0 votes cast)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.